Die Ortschaft Villalta liegt in einer herrlichen Position im Herzen der Region Friuli. Das Schloss ist eine obligatorische Etappe für jeden, der die schönste und romantischste Gegend von Friuli kennen lernen möchte. Schloss Villalta thront über der Friaulischen Ebene und ist die wichtigste mittelalterliche Burg der Region. Ihre Geschichte verliert sich in der Vergangenheit – wie es die römischen Fundamente und Spuren eines Kastells belegen. Die Burg wurde um das Jahr 1000 erbaut. Sie wurde mehrere Male belagert und dabei teilweise zerstört, aber zwischen 1200 und 1400 immer wieder aufgebaut. Ihre heutige monumentale Struktur erhielt sie mit dem Anbau des so genannten „Palazzo“ im 16. Jhdt. Über Jahrhunderte hinweg stand die Burg im Besitz der Herren von Villalta-Caporiacco. Im sechzehnten Jahrhundert ging sie durch Eheschließungen und Käufe in den Besitz der Grafen della Torre, einer mächtigen Familie aus der Lombardei (aus der drei Patriarchen von Aquileia stammen), über. Ihre harten Auseinandersetzungen und Kämpfe mit den Görzer Grafen dauerten über viele Jahre hinweg. Die Abenteuer eines Familienmitglieds, des Grafen Lucio della Torre, der für seine unglaubliche Bosheit und Grausamkeit berüchtigt war, führten schließlich zur Besetzung des Schlosses durch die Republik Venedig (Serenissima).
Die Besetzung durch die napoleonischen Truppen im Jahr 1797 war das letzte einschneidende und tragische Ereignis in der Geschichte des Schlosses. Die doppelte Schlossmauer, die Wachgänge, die Wege der Wachposten, die Zugbrücke, die Türme und die zauberhaften und wirklich romantischen Innenhöfe zeugen von der grandiosen Vergangenheit und einst so strategischen Wichtigkeit des Schlosses. Die Bedeutsamkeit der Burg wird auch durch die Tatsache belegt, dass ein wunderschönes Stadttor in Udine „Porta Villalta“ heißt. Bei der Besichtigung kommt man als erstes in den Saal mit den Rüstungen. Rechts davon befindet sich der Saal mit den Schatztruhen und links die charakteristische „Friaulische Küche“ mit dem Kamin („Fogolar“). An den Wänden hängen Kupfertöpfe, in denen früher gekocht wurde, und über dem steinernen Waschbecken sieben Eimer – einer für jeden Tag der Woche. Das Wasser holte man aus dem Brunnen im Innenhof. Man sagt, dass Ippolito Nievo in seinem berühmten Werk „Confessioni di un italiano“ genau diese Küche beschrieb. Die herrschaftlichen Räume des Schlosses sind mit Fresken aus dem 17. Jahrhundert geschmückt. Es gibt den Patriarchensalon (Salone dei Patriarchi), den Wappensaal und den „Saal des Bernadotte“ mit den bekannten „Grisaille“ – Gemälden (einer der berühmtesten Marschalle Napoleons, Bernadotte, besuchte Villalta. Später wurde er zum König von Schweden gekrönt). Weiters gibt es eine kleine Bibliothek und den Familiensaal mit diversen Portraits aus der Ahnengalerie. Durch eine kleine Tür in der Bibliothek gelangt man in den Turm und kann dort einige Folterinstrumente und Kerkerzellen sehen. Im Freien kommt man über ein paar Stufen in den oberen Hof, wo im 17. Jahrhundert in einer ehemaligen Kerkerzelle in einem der Türme eine Kappelle (Cappella Gentilizia) eingerichtet wurde. Diese Kappelle mit ihrem Altar und dem Altarbild “Madonna della Corona” verleiht dem Schloss ein fast schon mystisches Flair.
Die Herren von Villalta, die vom uralten Geschlecht der Caporiacco abstammen und deren Ursprünge bis in die Römerzeit (Cavorius) und zu den Kelten zurück reichen, und das verwandte Geschlecht der Castello (heute Frangipane) zählen zu den wichtigsten Familien in der Geschichte Friauls. Sie gehörten dem Rang der freien, direkt vom Kaiser ernannten Feudalherren an und standen daher über Jahrhunderte hinweg in Konflikt mit den Patriarchen von Aquileia. Der Familie entstammen viele bekannte Persönlichkeiten, wie der berühmte Feldherr Artico di Villalta, der Bischof Adalgerio von Feltre und der durch seine unglückliche Liebe zu Lucrezia Mantica gezeichnete Poet Federico. Es heißt, dass in dieser romantischen Burg auch Gespenster zu Hause sind. Eines ist das Gespenst der wunderschönen Ginevra di Strassoldo, die am Tag ihrer Hochzeit auf der Reise nach Villalta von Odorico di Cucagna entführt wurde. Er war in sie verliebt und wollte verhindern, dass sie Enrico di Villalta heiratete. Das zweite Gespenst ist das von Caterina di Carpenedo, einer Geliebten von Lucio della Torre. Als er seiner jungen Kurtisane überdrüssig war, ließ er sie hinter einer Mauer der Stiegen, die in den ersten Stock führen, lebendig einmauern. Man hat aber nichts zu befürchten, denn beide Gespenster sind gutherzig!